Samstag, 18. November 2017

Kreisimkertag 2015

HOBOS, Greening, nachwachsende Rohstoffe – Der Kreisimkertag in Giebelstadt bot viele Informationen rund um das Lebensumfeld der Honigbiene

Trotz Rekordhitzetag informierten sich über 100 Besucher in Giebelstadt über die Bedeutung der Honigbiene für unser Ökosystem und zu erfolgreichen Praxisbeispielen, wie den Bienen im ländlichen Raum auch zukünftig ein lebensfreundliches Umfeld gegeben werden kann.

Die Zahl der Bienenvölker im Fränkischen Süden geht zurück und auch die wenigen örtlichen Imkervereine suchen „Nachwuchs“. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine landwirtschaftlich geprägte Region, wenn der größte Teil unserer Lebensmittel direkt oder indirekt von der Arbeit der Honigbiene abhängt.

Vor dem Hintergrund dieser gesamtgesellschaftlichen Problematik luden der Kreisverband der Imker Stadt und Landkreis Würzburg und die interkommunale Allianz Fränkischer Süden neben den Imkern auch die Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine, Landwirte sowie die Vertreter der Landkreisgemeinden zur Informationsveranstaltung „Mehr blühende Felder – Mehr Bienen!“ in die Mehrzweckhalle nach Giebelstadt ein. Mit MdB Paul Lehrieder und MdL Volkmar Halbleib zeigte zudem auch die Politik Interesse an den vielfältigen Vortragsthemen.

Diese zielgruppenübergreifende Themenauswahl lobte auch Landrat Eberhard Nuß, der gleichzeitig Vorsitzender des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Würzburg ist und die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte. Lösungen ließen sich nur finden, wenn man gemeinsam diskutiert, ergänzte Nuß.

Den Auftakt des Vortragsprogramms übernahm der international renommierte Bienen­forscher Prof. Dr. Jürgen Tautz von der Universität Würzburg. In seinen Ausführungen zur Bedeutung der Honigbiene für Ökosystem und Ernährung zeigte er auf, dass der Großteil unserer Lebensmittel direkt oder indirekt von der Arbeit der Honigbiene abhängt. Ein Rückgang der Bienenvölker würde damit auch zu einem Rückgang der Nahrungsmittel­produktion führen. Nötig für das Wohlergehen der Bienen seien zum einen die Sicherstellung ausreichenden Nahrungsangebotes im Sinne von Blühpflanzen und deren Pollen sowie der verantwortungsvolle Umgang mit Pestiziden. Gemeinsam mit seinem Team an der Universität Würzburg erforscht Prof. Tautz in dem Projekt „HOneyBee Online Studies“, kurz HOBOS (www.hobos.de), das Verhalten der Bienen in ihrem Stock. Dies ermöglicht Rückschlüsse für viele Ökosysteme und für die Landwirtschaft.

Welche Chancen das „Greening“-Programm der EU, das die Anbaudiversifizierung, den Erhalt von Dauergrünland und ökologische Vorrangflächen in der Landwirtschaft finanziell unterstützt, für ein bienenfreundliches Umfeld bietet, stellte Peter Maske, Präsident des Deutschen Imkerbundes, den Teilnehmern vor. Maßnahmen wie Pufferstreifen an Gewässern oder Waldrändern, Stilllegung oder Aufforstungsflächen werden hier beispiels­weise gefördert.

Dass auch die Landwirtschaft ökonomisch und ökologisch arbeiten möchte und arbeitet, behandelte Bauernverbands-Kreisobmann Hermann Brell mit dem Best-Practice-Projekt „Biotopverbund Bütthard“ in seinem Vortrag. Nach der Erfassung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen erfolgte die Planung, Umsetzung und Vernetzung von Rand- und Blühstreifen, welche sowohl der Aufwertung des Naturraumes als auch als Lebens­raum für Bienen und andere Tier- und Pflanzenarten dienen sollen. Das Projekt ist derzeit noch in der Umsetzungsphase und könnte als Beispiel auch für andere Gemeinden dienen.

Nach einer kurzen Vortragspause, welche dafür genutzt wurde,  sich die Ausstellung zum HOBOS-Projekt genauer anzuschauen, referierte Frau Daniela Zander vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (TFZ) zu eben diesen Arten nachwachsender Rohstoffe. In Kurzform berichtete Frau Zander dabei von den verschiedenen Pflanzenarten, welche derzeit auf ihre Eignung erforscht werden, wie beispielsweise Sorghum, Quinoa, Buchweizen oder Leguminosen. Neben der alternativen Nutzungsmöglichkeit unter anderem als Biokraftstoff bieten die meisten dieser Pflanzen auch Pollen als Nahrung für die Honigbienen.

Wie auch die Gemeinden selbst einen Beitrag zu „blühenden Landschaften“ leisten können, zeigte zum Abschluss der Schwebheimer Altbürgermeister Hans Fischer auf. Als Landwirt und in seinen 24 Amtsjahren als Bürgermeister hat er gemeinsam mit seiner Gemeinde und den ansässigen Landwirten durch vielfältige, verknüpfte Maßnahmen eine enorme Steigerung der Biodiversität erreicht und damit auch viel zum Arten- und Naturschutz beigetragen. Auch er betonte, dass solche großen Anstrengungen nur durch Zusammen­arbeit der Akteure funktionieren und viel Zeit benötigen. Aber auf lange Sicht, so Fischer weiter, gewinnt die Gemeinde an Lebensqualität und sichert gleichzeitig ihre Lebens­grundlage.

Das Interesse der Bevölkerung und insbesondere der Politiker aus der Region haben zum Abschluss die Veranstalter, den Kreisverband der Imker Stadt und Landkreis Würzburg und die Interkommunale Allianz Fränkischer Süden, ermutigt, an der Schaffung eines bienenfreundlichen „Fränkischen Süden“ und einer bienenfreundlichen Region Stadt und Landkreis Würzburg weiterzuarbeiten. Kommunen, Landwirte,  Obst- und Gemüsebauern, aber auch Privatleute in ihren Hausgärten sollen dabei bestärkt und unterstützt werden, günstige Voraussetzungen für Bienen zu schaffen, Blühflächen bereit­zustellen und bienenfreundliche Pflanzen anzubauen. Eine Folgeveranstaltung in zwei Jahren ist angedacht.

 

Die Präsentationen der Referenten finden Sie im Downloadbereich (Der Vortrag von Altbürgermeister Fischer ist aufgrund der Größe leider nicht als Download verfügbar).